Ein eigenes Kraftwerk für den Leuchtturm
Als der Leuchtturm Kullen 1937 elektrifiziert wurde, entstand neben dem Turm das gelbe Backsteingebäude. Dort erhielt der Leuchtturm ein eigenes Kraftwerk: zwei Bolinder-Rohölmotoren mit je 50 PS, direkt gekoppelte Generatoren und eine große Akkumulatorenbatterie. Die Motoren liefen tagsüber und luden die Batterie, die den Leuchtturm dann in der Nacht versorgte. Die neue 1000-Watt-Lampe machte Kullen zum lichtstärksten Leuchtturm Skandinaviens.
Der Bau stieß auf Protest. Ein Teil des ursprünglichen Gebäudes aus Gneis wurde für den Anbau abgerissen, trotz Einwänden der Leuchtturmbesatzung und der Anwohner. Mehrere der Arbeiter von 1937 waren übrigens dieselben Männer, die den Leuchtturm im Jahr 1900 gebaut hatten.
Vom Kraftwerk zur Reserve
1946 wurde ein Stromkabel von Mölle heraufgelegt und der Leuchtturm an das Stromnetz angeschlossen. Die Batterie und eines der beiden Aggregate wurden entfernt, das andere diente als Reserve bei Stromausfällen. 1963 wurden die alten Motoren durch die beiden Bolinder-Munktell-Diesel ersetzt, die heute im Maschinenraum stehen – derselbe Motortyp wie im klassischen Traktor BM 350 Boxer.
Ein Uhrwerk und ein wenig Lotterie
Das Startsystem kam ganz ohne Computer aus. Fiel der Strom aus, begann ein Uhrwerk zu ticken, und rotierende Scheiben mit einem eingebauten Code entschieden, welcher der beiden Motoren anspringen sollte, ein wenig wie bei einer Lotterie. Die Motoren waren für sechs Wochen Dauerbetrieb gebaut und sollten sich abwechseln.
Wenn die Techniker der Schwedischen Seefahrtsverwaltung sie probeweise laufen ließen, war das ein Erlebnis. Ein ohrenbetäubender Alarm ertönte, das ganze Gebäude dröhnte und bebte, und die Abgase standen wie ein blaugrauer Besen aus dem Fenster. Die Erwachsenen traten gern einen Schritt zurück, während sich die Kinder mit leuchtenden Augen die Ohren zuhielten.
Der letzte Start
In gut 50 Jahren liefen die Motoren nur knapp 400 Stunden pro Stück. Am 7. September 2015 wurden sie ein letztes Mal gestartet und danach endgültig abgeklemmt. Im GPS-Zeitalter gilt das Leuchtfeuer als ausreichend sicher ohne Notstrom. Die DGPS-Station des Leuchtturms, die das GPS-System genauer macht, braucht dagegen weiterhin rund um die Uhr Strom. Sie wird heute von 20 Batterien gesichert, die die Station einen Tag lang betreiben können.
Die Motoren stehen noch im Maschinenraum, und Sie können sie bei einem Besuch des Leuchtturms sehen.
Die Notstromanlage in Zahlen
| Motoren | 2 Bolinder-Munktell, Modell 1113 |
|---|---|
| Bauart | 3-Zylinder-Viertakt-Diesel mit Direkteinspritzung |
| Leistung | 56 PS (DIN) bei 1.800 U/min |
| Hubraum | 3,78 Liter |
| Bohrung × Hub | 111,1 × 130 mm |
| Ölmenge | 10,5 Liter |
| Generatoren | 2 × 35 kVA |
| Kraftstoffverbrauch | ca. 1,5 Liter/Stunde bei der Last des Leuchtturms, 5–10 Liter/Stunde bei Volllast |
| Ausgelegt für | 6 Wochen Dauerbetrieb, danach Wechsel zwischen den Motoren |
| Last des Leuchtturms | 1000-W-Lampe + Linsenantrieb mit einigen hundert Watt |
| Betriebsstunden | 388 bzw. gut 400 Stunden |
| Eingebaut | 1963 (die Motoren wurden vermutlich 1961/62 hergestellt) |
| Letzter Lauf | 7. September 2015 |
| Ersetzt durch | 20 Nickel-Cadmium-Batterien mit 24 V und 555 Ah für die DGPS-Station |
