Alter Holzschnitt eines Schiffes, von dem ein Seemann an einem Seil ins Meer hinabgelassen wird

Leuchtturmgeschichte

Seemannstaufe am Kullen

„Att hönsa för Kullen“ – der Tribut an den Kullen

Von der Seemannstaufe haben die meisten sicher schon gehört: ein Initiationsritus für Seeleute, die zum ersten Mal den Äquator überqueren. Weniger bekannt ist, dass der Brauch in früheren Zeiten auch beim Passieren von Kullaberg gepflegt wurde. Diese uralte Seefahrertradition hieß „att hönsa för Kullen“.

Wer den Kullen zum ersten Mal passierte, musste entweder eine Abgabe zahlen oder wurde getauft, also ins Meer getaucht. Es war eine Art Aufnahmeritual, zugleich aber auch eine Ehrbezeugung gegenüber diesem besonderen Ort. Vielleicht auch ein Überbleibsel heidnischen Opferdenkens: Man opferte, um sicher an einer gefährlichen Stelle vorbeizukommen.

Die vier gefürchteten Orte der Seemannstaufe im Jahr 1661

Einer Doktorarbeit aus Uppsala zufolge waren es die seefahrenden Holländer, die mit dem Ritus begannen. Auf einer der ältesten Seekarten der Welt verzeichnete Joannes van Loon 1661 vier Orte auf der Erde, an denen Seemannstaufen stattfanden. Man wählte für das Ritual Orte, die als besonders gefährlich galten, und wir waren ebenso überrascht wie begeistert, als wir entdeckten, dass der Kullen einer dieser einzigartigen Orte war:

Die Portugiesen sollen den Brauch dann von den Holländern übernommen und auf den Äquator übertragen haben. Der Doktorarbeit zufolge ist es also wahrscheinlich, dass Seemannstaufen am Kullen stattfanden, bevor sie am Äquator üblich wurden!

Der erste dokumentierte Fall einer Seemannstaufe am Kullen stammt aus dem Jahr 1612. Damals schrieb der Franzose Anthoni de Lybrey einen empörten Beschwerdebrief an den Bürgermeister von Helsingør, nachdem man ihn dreimal vom Großmast ins Meer geworfen hatte, nur mit einem Seil unter den Armen. Gehör fand er jedoch nicht: Der Brauch werde am Kullen seit undenklichen Zeiten gepflegt, hieß es. Aus den 1600er-Jahren sind mehrere weitere Fälle überliefert. Sogar der König von Dänemark soll sich der Taufe vor dem Kullen unterworfen haben. Niemand kam also davon.

Eine lebensgefährliche, aber langlebige Tradition

Der Brauch mag scherzhaft wirken, doch ein Sprung aus 15 m Höhe, nur mit einem Hanfseil unter den Armen, in eiskaltes Wasser oder schwere See klingt gelinde gesagt abenteuerlich. Zumal bis weit ins 20. Jahrhundert hinein nur wenige schwimmen konnten, selbst unter Seeleuten.

Das Ritual vor Kullaberg musste zudem an einer bestimmten Stelle auf See stattfinden: „… und der Holländer sagt, wenn er querab vom Kullen ist, wo der Berg am rundesten scheint: Vor dem rund, water in mund“. Man kann die Angst der jungen Seeleute des 17. Jahrhunderts erahnen.

Es kam zu Ertrinkungsfällen, und die Behörden taten alles, um die Seemannstaufen einzudämmen. Das Seerecht von 1667 widmet den Taufen am Kullen sogar ein ganzes Kapitel, doch der Brauch war tief verwurzelt. Trotz harter Strafen lebte er noch gut 300 Jahre weiter. Noch 1882 ist der Brauch auf einem holländischen Schiff belegt, das den Kullen passierte. Am längsten hielt sich die Kullen-Taufe auf finnischen, lettischen und estnischen Schiffen. Erinnerungen gibt es noch aus den 1930er-Jahren, als alte Seeleute von den Seemannstaufen vor dem Kullen erzählten.

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