Leuchtturmgeschichte
Die Eisschollenkatastrophe
Der Kriegswinter 1941–42 war einer der strengsten, die Kullaberg je erlebt hat. Woche für Woche hielt sich das Thermometer bei fast −25 °C, und das Meereis wurde immer dicker. Viele besserten ihr Einkommen mit Dorschangeln auf.
Am 4. März brach bei Ostwind eine Eisscholle los, und 43 Menschen begannen, auf das offene Meer und Jütland zuzutreiben. Das Personal des Leuchtturms schlug um 14.10 Uhr Katastrophenalarm. Militär, Polizei, Zoll, Luftwaffe und Eisbrecher wurden alarmiert, und im Radio bat man um Hilfe. Die Nachricht verbreitete sich wie ein Lauffeuer. Das Telefon im Leuchtturm war blockiert von Angehörigen derer, die einem sicheren Tod entgegenzugehen schienen.
Viele Helden traten an diesem Tag hervor. Es waren gewöhnliche Menschen, die spürten, dass etwas getan werden musste. Einige Soldaten fuhren mit dem Ruderboot vom Leuchtturm hinaus und retteten sechs Männer. Drei 16-Jährige aus Mölle eilten nach Ablahamn, brachen die Schlösser eines Bootes auf, erreichten die Scholle und konnten, stark unterkühlt und unter Schock, vier Männer retten. In Mölle nahm man ungefragt die größten Boote, die man finden konnte. Eines wurde vom Landwirt Hans Pettersson mit Pferd und Wagen so schnell, wie das Geschirr es aushielt, durch 36 cm Neuschnee die gewundene Straße zum Leuchtturm hinaufgebracht. Das andere wurde von freiwilligen Männern über das Eis entlang der Südseite des Berges gezogen.
Unter den vielen Freiwilligen wählte man Kapitän Hansson und zwei erfahrene Brüder für das eine Boot aus, den Küstenwächter Emanuel Andersson mit zwei Ruderern für das andere. Bestürzt sah man, dass sich die Scholle inzwischen in zwei Teile gespalten hatte.
Kapitän Hansson machte sich schnell auf den Weg zu einer der Schollen und füllte dort unter dramatischen Umständen sein Boot. Unter anderem soll er seine Pfeife als „Revolver“ benutzt haben, um die panischen Männer auf der Scholle in Schach zu halten. Es erwies sich als unmöglich, das Land zu erreichen, doch der dänische Eisbrecher Mjölner fand sie und rettete sie. Kristian Hansson ging auf die Brücke, um der Schiffsführung zu helfen. Zeit zum Ausruhen gab es nicht.
Emanuel Anderssons Ruderer liefen zum Leuchtturm hinauf, um bessere Ausrüstung zu holen, als sie zu ihrem Entsetzen Andersson sagen hörten: „Es wird dunkel, jemand muss helfen.“
Sie sehen ihn ablegen, allein und ohne Laterne. Der seeerfahrene Küstenwächter Andersson begann mit kräftigen Schlägen zu rudern. Trotzdem brauchte er im harten, kalten Wind zwei Stunden, um die Eisscholle zu erreichen. Oben auf dem Berg am Leuchtturm standen seine Frau und seine drei Kinder zusammen mit vielen Einheimischen und verfolgten das Drama mit wachsender Sorge. Die beiden Boote würden nicht für alle Platz haben, das wurde klar. Wer würde gerettet werden? Wer musste bleiben? Furchtbare Entscheidungen standen bevor.
„Es wird dunkel, jemand muss helfen.“ Ruderer Emanuel Andersson
Als Andersson die Scholle erreicht hatte, sprangen sechs verzweifelte Männer ins Boot; Wind und Kälte hatten inzwischen zugenommen. Mit der Kraft der Verzweiflung hielt man auf den Lichtkegel des Leuchtturms und die Rettung zu. Es wurde eine lange und gnadenlose Nacht. Manchmal fuhr die Mjölner dicht vorbei, doch ohne Laterne wurden die Unglücklichen nicht gesehen, und ihre Hilferufe gingen in Wind und Wellen unter. Zwei der Männer starben nach Mitternacht, und nach 14 Stunden in der Kälte und 10 Stunden ununterbrochenen Ruderns verlor Emanuel das Bewusstsein.
Erst in der Morgendämmerung, um 07.35 Uhr am 5. März, sichtete die Mjölner Anderssons Boot, 12 Seemeilen nordwestlich des Leuchtturms. Ein furchtbarer Anblick bot sich den Männern auf der Brücke. Das Ruderboot glich einem Eissarg, alle an Bord waren mit Eis bedeckt und wurden für tot gehalten. Kristian Hansson sprang hinunter und untersuchte die Männer. Jemand bewegte einen Arm, und alle wurden an Bord gehoben.
Später stellte sich heraus, dass Andersson nur eine Viertelstunde vor der Rettung gestorben war. Das Meer forderte in dieser unglückseligen Nacht drei Menschenleben. Es hätten viel mehr sein können. Andersson wurde an der Kirche von Brunnby begraben. Die ganze Gegend schloss sich dem Trauerzug an, und man sammelte Geld für die Witwe. Als wäre die Tragödie nicht genug, starb auch die Witwe im Jahr darauf und hinterließ drei kleine Kinder. Auf dem Grabstein, in den ein Bild von Emanuels Ruderfahrt gemeißelt ist, steht geschrieben: Rettete das Leben anderer – gab sein eigenes.
Viele riskierten in dieser Nacht ohne zu zögern ihr Leben, um andere zu retten. Wir nennen die, die wir kennen, um sie vor dem Vergessen zu bewahren:
Im ersten Boot
Hans Eklund und Bertil Persson.
Im zweiten Boot
Die Jungen aus Mölle Göte Larsson, Karl Blomqvist und Åke Bengtsson.
Im dritten Boot
Kristian Hansson und die Brüder Erik und Ove Andersson.
Im letzten Boot
Emanuel Andersson.
Erwähnt werden muss auch die Besatzung des dänischen Eisbrechers Mjölner, die den deutschen Besatzern trotzte und nicht zögerte, durch verminte Gewässer zu fahren, um Mitmenschen zu retten.