
Leuchtturmgeschichte
Die Legende vom Kullamannen
Der Kullamannen – der „Mann vom Kullen“ – wird schon 1220 in dänischen Chroniken erwähnt. Man beschrieb ihn als weisen Mann mit übernatürlichen Kräften, der in die Zukunft sehen konnte. Der Legende nach soll er in einem Turm an der Spitze von Kullaberg gewohnt haben.
Andere meinen, es sei ein Ritter gewesen, der sich aus unglücklicher Liebe auf dem öden Kullaberg niedergelassen habe. Der Ritter hieß Thord Knutsson Bonde und besaß die seltsame Gabe, in die Zukunft zu sehen. Die Leute reisten von weit her, um ihr Schicksal zu erfahren. Auch wer auf dem Kullagården wohnte, wurde Kullamannen genannt, ebenso wie derjenige, der die Flamme des Leuchtfeuers am Leben hielt – die Begriffe verschmolzen, weil die Verantwortung für das Feuer lange an den Besitzer des Kullagården gebunden war.
Wer hier wohnt, weiß sofort, was gemeint ist, wenn vom Kullamannen die Rede ist. Der Bauer, der Leuchtturmwärter oder der Troll. Vielleicht sind es die karge Natur, das unberechenbare und mitunter raue Wetter und die steilen Klippen, die direkt ins Meer abfallen, die die Fantasie anregen. Man muss nicht lange auf dem Berg sein, um die starken Kräfte zu spüren. Der mächtige Kullamannen bestimmte auch, wer vom Berg stürzen und welche Schiffe rund um Kullaberg untergehen sollten. Seeleute, die die Landspitze umrundeten, hielten noch bis in die 1950er-Jahre Opfer- und Grußzeremonien für den übernatürlichen Herrscher des Berges ab.
Wenn die Wolken um Håkull, den höchsten Punkt des Berges, ziehen, sagt man, dass die Frau des Kullamannen braut – und dann weiß man mit hundertprozentiger Sicherheit, dass es bald regnen wird.
Manchmal mischte sich der Kullamannen in das Leben gewöhnlicher Menschen ein, wie damals, als ein Bauer vom Kullen mit einem Edelmann in Streit geraten war. Der Bauer hatte das Recht auf seiner Seite, der Edelmann aber das Gericht. Der Bauer bekam drei Tage, um von Stockholm zu seinem Hof zu gelangen, und mit der Kraft der Verzweiflung tat er alles, um das Unmögliche zu schaffen. In der dritten Nacht war er noch weit von zu Hause entfernt, als ein kleiner Mann auf einem großen Pferd herangeritten kam und ihn aufsitzen ließ. Es wurde ein gewaltiger Ritt über Berge, Wälder und Kirchen, doch lange vor der Morgendämmerung war der Bauer zu Hause und konnte seinen Hof retten. Er wusste genau, dass es nur einen gab, der mächtig genug war, das Unmögliche zu vollbringen: den Kullamannen.
Noch heute kann man dem Kullamannen begegnen. Jedes Jahr stürzen mehrere Menschen von den Klippen. Läufer stolpern über Steine und Äste, die plötzlich aus dem Nichts auftauchen. Mächtige Kräfte herrschen auf dem Berg, und man sollte sich hüten, ihren Zorn zu wecken. Hat man den Kullamannen jedoch auf seiner Seite, gibt es keinen besseren Verbündeten.